Folter

Aus ethischer Sicht steht Folter überwiegend in extremem Widerspruch zu grundlegenden moralischen Prinzipien, insbesondere zur Menschenwürde.
Unantastbarkeit der Menschenwürde: Folter wird als elementarer Verstoss gegen das moralische Prinzip der Unantastbarkeit der Menschenwürde betrachtet. Sie degradiert das Opfer zu einem blossen Objekt, bricht seinen Willen und missbraucht es als Mittel zur Informationsgewinnung oder Einschüchterung
Dieser Aspekt wird als so gravierend angesehen, dass Folter „unter keinen Umständen moralisch oder rechtlich gerechtfertigt werden kann“
Absolutes Verbot: In rechtsstaatlichen und demokratischen Gesellschaften gilt ein absolutes Folterverbot. Das bedeutet, keine noch so aussergewöhnliche Situation (etwa das oft diskutierte „Rettungsfolter“- oder „Ticking Bomb“-Szenario) rechtfertigt die Anwendung von Folter.
Ethische Argumentationslinien:
Deontologie: Vertreter dieser Theorie lehnen Folter grundsätzlich ab – gewisse Mittel sind so unmoralisch, dass sie niemals eingesetzt werden dürfen, unabhängig von möglichen positiven Folgen.
Konsequentialismus: Eine Minderheitenposition argumentiert, dass in Extremsituationen das kleinere Übel (z.B. Folter eines Täters zur Rettung eines unschuldigen Lebens) zumindest abgewogen werden kann. Auch dann erkennen viele Ethiker aber an, dass selbst die so verstandene „Rettungsfolter“ nicht moralisch gut, sondern höchstens das geringere Übel sein könnte – stets verbunden mit extrem hohen Risiken etwa für Unschuldige und für den Schutz rechtsstaatlicher Prinzipien.
Ethischen Debatte:
Die überwiegende Position der Ethik ist, dass Folter absolut abzulehnen ist. Sie ist mit Menschenwürde und Rechtsstaat grundsätzlich unvereinbar. Ihre Legalisierung gälte als Zivilisationsbruch und würde zu einem Rückfall in Willkür und Gewalt führen. Ethisch gesehen wird jede Form von physischer und psychischer Gewalt, besonders aber gezielte Folter, grundsätzlich als unvereinbar mit dem Respekt vor der menschlichen Autonomie und Würde bewertet
Quelle
von Schirach, F. (2017): Die Würde ist antastbar. München: btb essays.
Das Folterverbot im Rechtsstaat
Menschenwürde und Folterverbot
Einschränkung des absoluten Folterverbots bei Rettungsfolter