Verteilung begrenzter Ressourcen

Stell Dir vor: Im Reservoir sind noch 1000 Liter Wasser enthalten. Man könnte dieses verteilen

  • für die Reinigung von Maschinen, die lebenswichtige Medikamente herstellen
  • für die Reisfelder, die eine Kleinstadt drei Monate ernähren können.
  • für einen industriellen Grossbetrieb, der einen hohen Steuerbetrag abliefert.

Wer bekommt das Wasser?

Triage

Folgend ein Auzug aus 10 Ethische Fragen zur Zuweisung von Mitteln hier im medizinischen Berich der Nationalen Ethik Kommission (NEK) 2006.

[Bereitstellung] für Medikamente, Behandlungsplätze, Respiratoren, Betten und andere Mittel zur Behandlung von Influenza beruhen auf dem Ziel der Rettung möglichst vieler an Influenza Erkrankter. Während der Prophylaxe folgen Allokationsprinzipien einer anderen Logik als im Behandlungsfall, wenn sich die Krankheit ausbreitet und immer mehr Menschen einer Behandlung bedürfen. Die Knappheit der Behandlungsmöglichkeiten entsteht allmählich, weil sich die Pandemie stufenweise entwickelt. Zu Beginn werden alle möglichen Massnahmen ergriffen, die zunächst zu einer Ausweitung der Behandlungskapazität führen, wie z.B. eine Reorganisation der Spitäler oder die Mobilisierung von weiteren Hilfskräften, provisorischen Pflegeplätzen und Medikamentenreserven.

  1. In einer ersten Phase wird man alle Bedürftigen behandeln. Diese Phase dauert so lange, bis die Zahl der Behandlungsbedürftigen auch die erweiterten Behandlungsmöglichkeiten übersteigt. In dieser Phase werden diejenigen zuerst behandelt, die zuerst kommen oder wegen irgendeiner Erkrankung bereits in Behandlung sind.
  2. Die zweite Phase beginnt, wenn infolge erschöpfter Behandlungskapazität nicht mehr alle
    Menschen behandelt werden können und ein Teil von ihnen abgewiesen werden muss. Die knappen Behandlungsmöglichkeiten sind in dieser Phase denjenigen vorbehalten, deren Zustand am bedrohlichsten ist.
  3. Schliesslich folgt die dritte Phase, die in der Kriegs- und Katastrophenmedizin der Triage entspricht. In dieser Phase sind die knappen Ressourcen von Anfang an bereits für diejenigen reserviert, die lebensbedrohlich krank sind. Wenn nicht mehr alle, die lebensbedrohlich krank sind, behandelt werden können, wird man diejenigen von ihnen prioritär behandeln, die durch die Behandlung vermutlich die grösste Überlebenschance haben. Umgekehrt wird die Behandlung in dieser Phase möglichst nur denjenigen vorenthalten, denen sie kaum noch helfen kann. Menschen mit infauster
    Prognose werden in dieser Phase nur palliativ behandelt; es wird bei ihnen zum Beispiel keine Intensivbehandlung begonnen. Bei der Behandlung soll Personen, die aus «politischen» Gründen für die Gesellschaft besonders wichtig sind, nicht bevorzugt werden. Wenn die Behandlungsmöglichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt (noch) nicht quantitativ begrenzt sind (wie z.B. Beatmungsapparate oder Krankenbetten), sondern wenn sie in Form von Lagerbeständen vorliegen (wie z.B. die Arzneimittel), so kann bei einer vorausschauenden Bewirtschaftung der Lager eine vorgezogene Rationierungspraxis sinnvoll sein, bevor die verfügbaren Mittel ausgehen.

Triage aus ethischer Sicht

Triage ist ein Prozess, der vor allem in der Medizin und Notfallversorgung verwendet wird (Siehe oben), um Dringlichkeit der Behandlung von Patienten zu bestimmen, insbesondere in Situationen mit begrenzten Ressourcen, wie bei Naturkatastrophen oder in überfüllten Notaufnahmen. Aus ethischer Sicht wirft Triage mehrere wichtige Fragen und Herausforderungen auf:

1. Gerechtigkeit: Ein zentrales ethisches Prinzip ist die Gerechtigkeit, das bedeutet, dass alle Patienten fair und gleich behandelt werden sollten. Bei der Triage müssen Entscheidungen getroffen werden, die möglicherweise dazu führen, dass einige Patienten priorisiert werden, während andere weniger dringlich behandelt werden. Dies kann zu moralischen Dilemmata führen, insbesondere wenn es um die Bewertung des Lebenswerts oder der Lebensqualität geht.

2. Nützlichkeit: Ein weiteres wichtiges Prinzip ist die Nützlichkeit, das heißt, die Maximierung des Nutzens für die größtmögliche Anzahl von Menschen. Bei der Triage wird oft abgewogen, welche Patienten die besten Überlebenschancen haben oder am meisten von einer Behandlung profitieren würden. Dies kann jedoch auch zu ethischen Konflikten führen, wenn es darum geht, das Leben von Patienten mit geringeren Überlebenschancen zu bewerten.

3. Autonomie: Die Achtung der Autonomie der Patienten ist ein weiteres zentrales ethisches Prinzip. In einer Triage-Situation kann es schwierig sein, die Wünsche und Entscheidungen der Patienten zu berücksichtigen, insbesondere wenn sie nicht in der Lage sind, informierte Entscheidungen zu treffen.

5. Emotionale Belastung: Die ethischen Herausforderungen der Triage können auch zu emotionalen Belastungen für das medizinische Personal führen, das schwierige Entscheidungen treffen muss, die Leben und Tod betreffen. Die Unterstützung und Schulung von Fachkräften in ethischen Fragestellungen ist daher von großer Bedeutung.

Quellen

Bundesamt für Gesundheit, www.bag.admin.chTeil III: Influenza-Pandemieplan Schweiz 2006, Seite 188 ff.